Wir kannten uns nur über das Internet. Aber gut genug, um bei unserem Treffen nicht zu fremdeln. Er hatte eine Kameradrohne dabei. Ich meine Micro Four Third, deren Namen länger war, als die ganze Kamera: Olympus OM-D E-M5 Mark II.
Wir trafen uns in Övelgönne und stapften dann durch den Sand zur Strandperle. Wir unterhielten uns über Auflagen für Drohnen, Kameratechnik, gemeinsame Online-Bekannte. Es war die Zeit, in der viele das Gespräch über Rob mit mir suchten. Und manchmal ließ ich mich darauf ein. Auch Stephan tastete sich heran und es war ok.
Ich hatte inzwischen einen Sinn dafür entwickelt, bloße Neugier und echtes persönliches Interesse auseinanderzuhalten. Und manchmal tat es auch gut mit eigentlich Fremden über ihn zu reden. Jedes Gespräch zeichnete ein anderes Bild von ihm. Und doch erschien alles vertraut. Und nichts vergessen.
Die blaue Stunde begann und Stephan ließ die Drohne aufsteigen. Eben hatten wir noch darüber gesprochen, welche Auflagen und welche Bußgelder es gab. Und er hatte erzählt, dass für das Hafengebiet nicht die gleichen Regeln gelten würden wie über Bundeswasserstraßen.
Ehrlich gesagt habe ich ihm damals nicht geglaubt, dass die Hamburg Port Authority ausgerechnet für das sensible Hafengebiet praktisch eine Free-Flight-Genehmigung mit wenigen besonderen Auflagen ausgerufen hatte. Also schaute ich ihm zu, wie er gefühlt etliche mir bekannte Auflagen mit breitem Grinsen missachtete. Ich glaube, es war eine Mavic Pro, die erste mit der Hasselblad-Kamera am Gimbal.
Ich konzentrierte mich so sehr darauf, die winzige Drohne am Abendhimmel nicht aus den Augen zu verlieren, dass ich nur durch Zufall und aus den Augenwinkeln diese große runde Scheibe bemerkte, die wie ein Scheinwerfer auf einmal vor dem klaren blauen Himmel zwischen zwei Kränen hing.
Ich riss die Kamera hoch, löste einmal aus, regelte die Belichtung runter, und löste ein zweites Mal aus. So entstand dieses Bild.
Dass ich so stand, dass der Bojenmann direkt zu diesem Mond hinauf zu blicken schien, war Zufall. Nur wenige Augenblicke später hatte sich der Mond eilig aus dieser so schönen Sichtachse entfernt. Und als noch etwas später dieses Containerschiff vor den Mond geschoben wurde und die Hitze seines Schlots ihn zum Flimmern brachte, war es bereits richtig dunkel.
Ich bedauerte, keine bessere Kamera mit Vollformatsensor und längerem Objektiv dabei gehabt zu haben. Aber natürlich hatte ich – wie immer – auch in RAW fotografiert. Und das war gut so. Denn es ist erstaunlich, was RAW-Converter heute aus so einem alten kleinen verrauschten RAW von einem kleinen Sensor herauskitzeln können.
Was ich Euch also mitgeben kann ist:
1. Die beste Kamera ist die, die man dabei hat.
2. Fotografiert im RAW-Format.
P.S.: Stephans Fotos kann ich Euch hier leider nicht zeigen. Aber es waren spektakuläre Aufnahmen von beleuchteten Container-Riesen in der blauen Stunde…


