Es gab da mal einen Herzensmenschen, so vor 25 Jahren. Er war jung. Er war rastlos. Da waren diese vielen wilden Parties, diese hektischen Leute, diese vielen Substanzen, und auch diese tiefe Traurigkeit aus einer haltlosen Kindheit, die ihn in einen buntdunklen Rauschstrudel hineinsogen.
Wir kannten uns. Gut genug, dass ich um seine Geschichte wusste. Und um seine kleine Tochter, die nicht bei ihm lebte. Wir kannten uns nicht gut genug, um uns wirklich kennenzulernen.
Irgendwann war er fort, dieser Herzensmensch. Verloren an eine größere Stadt und an einen größeren Strudel.
Und dann erzählten sie sich im Dorf eines Tages: Er sei tot. Eine Überdosis.
Diese Trauer. Ich weinte.
Um ihn. Um dieses Leben, das er hätte führen können. Das er hätte führen sollen. Das er verdient hätte.
Es schien so unendlich vergeudet.
So unendlich sinnlos.
Unendlich traurig.
Vor fünf Jahren dann kommentierte jemand in einer Facebook-Gruppe. Unter seinem Namen. Erst war ich schockiert und wütend. Er konnte es ja nicht sein. Dann schaute ich genauer hin.
Und dann verstand ich es. Er war es. Er war es tatsächlich. Ich konnte es kaum fassen.
Und er war nicht nur gesund und clean. Er lebte ein gutes Leben! Er hatte ein eigenes kleines Unternehmen. An einer der schönsten Küsten. Mit einem großen Team. Erfolgreich und verantwortungsbewusst.
Wir trafen uns, und er erzählte mir, dass der Tod ihn nicht haben wollte. Dass die Überdosis, die er sich vor 15 Jahren gesetzt hatte, ihn nicht holte. Dass der Tod ihn wieder ausgespuckt hatte. Dass das Leben ihn aufgefordert hatte, zu bleiben.
Er verstand nicht, warum. Aber er entschloss sich zu leben.
Entzug, Ausbildung, Gründung…
Heute sehe ich ihn, erfüllt und glücklich mit seiner kleinen Familie. Und heute weine ich wieder. Vor Glück. Für mich bleibt er eines dieser Lebenswunder.
Danke, dass Du Dich für das Leben entschieden hast, Herzensmensch.
Und auch alles dafür getan hast.
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